Indonesien

Ich bekam einen Anruf von meiner Freundin Anna, mit der ich auch schon den Jakobsweg bestritt. Sie fragte, ob ich nicht mit nach Indonesien kommen will. Viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht, da der Flug schon vier Wochen später gehen sollte. Ich hatte weder einen Reisepass noch eine Ahnung, worauf ich mich da einlassen würde.

Startete aber freudig aufgeregt dem Abenteuer entgegen. 

Die Ankunft

 

Ich flog also am 16. August von Berlin aus los. Erst ging es nach Düsseldorf, von dort aus nach Abu Dhabi und nach 6 Stunden Aufenthalt weiter nach Jakarta auf der Insel Java. Die Reise war unglaublich lang und nach dem wir landeten und einen Bus vom Flughafen in die Stadt fanden, standen wir da, mitten in einer riesigen Stadt in Indonesien.

Ich erinnere mich noch an den Moment als ich aus diesem Bus ausstieg (Es war mein erstes Mal in Asien). Es war super heiß, unglaublich laut, hektisch und die Motorroller rasten an uns vorbei. Nun mussten wir zu unserem Hostel finden.

Wir fragten uns durch und zeigten einigen Menschen die Adresse, doch gefunden haben wir nichts. Je mehr Leute wir fragten, umso unterschiedlicher wurden die Richtungsangaben. Am Enden standen wir mitten auf einem Marktplatz in einem Gedrängel von gefühlten tausend Indonesiern. Später fanden wir heraus, dass dort grade ein Feiertag zelebriert wurde. Uns blieb nichts anders übrig als wieder jemanden zu fragen. So gelangten wir an einen Mann, der gutes Englisch konnte und uns mit seinem Fahrer direkt zum Hostel fuhr.

Ja ich weiß was jetzt alle denken, zwei Mädchen steigen bei einem fremden Mann in einem fremden Land ins Auto ein, die müssen verrückt sein. Was soll ich sagen, wir spürten einfach, dass die beiden tatsächlich freundlich sind und wen es beruhigt, es war auch noch eine Frau dabei. Wir fuhren oft bei fremden Menschen mit und haben nie schlechte Erfahrung gemacht. Wir haben oft auf unser Gefühl gehört und wenn uns jemand komisch vorkam, haben wir es gelassen. Doch genau genommen, wäre es nichts anderes, hätten wir ein Taxi genommen, das ist schließlich auch ein fremder Mann.

Am Hostel angekommen gab der Mann uns noch seine Telefonnummer und sagte, dass wir uns melden können, sobald wir einmal Hilfe bräuchten.

Jetzt hieß es erst einmal alle Grundbedürfnisse stillen, Duschen, Essen und dann Schlafen. Bei unserer Suche nach Essen hatten wir wieder sehr freundliche Hilfe von einem Hostelmitarbeiter. Er verbrachte seinen Feierabend damit uns die indonesischen Köstlichkeiten zu erklären und etwas für uns ohne Fleisch zu finden. Am Ende schrieb er uns noch ein paar Gerichte auf Indonesisch auf und gab uns einen kleinen Sprachkurs.

 

 

Die Zeit auf Java

 

Die nächste Zeit reisten wir durch die Insel, meistens per Zug oder kleinen Bussen. Wir hatten wunderschöne Hostels mit Hängematten im Garten, einer Duschkabine unter freiem Himmel, vielen netten Begegnungen mit anderen Backpackern und vielen wunderschönen Sonnenaufgängen.

Wir besichtigten mehrere eindrucksvolle Tempel und am Ende unsere Zeit in Java zwei unglaubliche Vulkane.

Auf dem Weg zu „Mount Bromo“ trafen wir zwei französische Jungs, die uns die nächsten Tage begleitet haben. Es erwies sich als sehr praktisch eine Weile zu viert zu reisen, da so vieles billiger war, wenn man es durch vier teilt. Außerdem war es unheimlich unterhaltsam und interessant mit jemandem zu reisen, der kein Deutsch gesprochen hat.

Bevor wir den Vulkan erreichten mussten wir durch eine Wüste laufen die der Vulkan nach seinen ehemaligen Ausbrüchen hinterließ. Es war eine schwarze Sandwüste, in der immer wieder der Sand aufgewirbelt wurde und uns entgegen blies. Wir mussten einen Mundschutz tragen und die Augen zu kneifen, wenn eine Wehe kam. Doch macht man die Augen wieder auf, erfährt man einen unvergesslichen Anblick. Eine riesige Sonne eingehüllt in diesen schwarzen Sand und einen rauchenden Vulkan daneben.

Es war so unfassbar schön.

Nach ungefähr einer Stunde, in der wir wie kleine Kinder aufgeregt und albernd durch diesen Sturm liefen, erreichten wir die Spitze des Vulkans. Hier oben viel das Atmen schwer, wegen der Dämpfe, man hörte die Lava brodeln und sah weißen dichten Rauch aufsteigen. Wir hatten einen Ausblick über die komplette Wüste, die wir eben durchquerten, es war bis auf den Vulkan absolut still, da keine weiteren Menschen da waren. Für mich ein wirklich unvergesslich atemraubendes Erlebnis.

Wir waren so fasziniert und beeindruckt, dass wir vergessen haben zurückzugehen. Gleich ging die Sonne unter und dann wurde es kalt und sehr dunkel.

Am Fuß vom Vulkan standen jedoch einheimische mit ihren Motorrad Taxis, die uns sicher zurück fahren würden, dachten wir.

Als wir bei ihnen waren, stellte sich heraus es sind auch nur Leute, die mit ihren Motorrädern einen Ausflug hierher machten. Unser riesiges Glück war, dass sie uns trotzdem mit nahmen und das auch noch umsonst. Ok nicht ganz umsonst, als Gegenleistung wollten sie gefühlte 100 Fotos mit uns machen, was wir aber gern taten.

Völlig durchgefroren und komplett voller schwarzem Sand kamen wir wieder ins Hostel und wollten nur noch heiß duschen. Wenn es da nicht das Problem gab, dass ausgerechnet jetzt kein heißes Wasser kam. Also hieß es Zähne zusammenbeißen und versuchen mit diesem eiskalten Wasser den hartnäckigen Sand aus den Haaren zu bekommen. Was tut man nicht alles für diesen wunderbaren Anblick.

 


Am nächsten Tag ging es auch schon weiter zum nächsten Vulkan, in dem die einheimischen den Schwefel abbauen. Den Tag über fuhren wir zu dem Ort, in der Nähe des Vulkans, um dann in der Nacht halb eins abgeholt zu werden um den Aufstieg zu schaffen und die blauen Rauchschwaden im Vulkan leuchten zu sehen, bevor die Sonne aufgeht.

Eigentlich völlig übermüdet, aber aufgeregt und mit Gasmaske und Taschenlampe bestückt liefen wir ca. zwei Stunden lang (teilweise extrem steil) bergauf. Schon jetzt war der Ausblick sagenhaft. Oben angekommen war es mitten in der Nacht und wir blickten hinab in den Vulkankrater und sahen große Rauchschwaden und zwischen drin flammten immer wieder blaue Lichter auf. Wir machten jetzt den Abstiegen, um den Schwefel zu sehen. Wir klettern also in den Vulkan hinein. Je weiter nach unten wir kamen, umso mehr stank es nach Schwefel und faulen Eiern. Ungefähr ab der Hälfte mussten wir die Gasmaske aufsetzten, weil man es kaum noch aushielt. Es war immer noch komplett dunkel und ca. drei oder vier Uhr nachts. Überall sah man die Taschenlampen der vielen anderen Touristen leuchten. Unten angekommen, war es kaum zu glauben, die einheimischen bauten in Mitten von diesem stechenden Rauch und Gestank in Flipflops und nur mit so einem Hygiene Mundschutz bestückt den Schwefel ab. Sie trugen ihn in zwei schweren Körben, die an einer Stange befestigt über ihren Schultern hing diesen steilen Weg hinauf.

Der Weg runter in den Vulkan, hat Spaß gemacht, da ich gerne so kleine unwegsame Strecken laufe, wo man ab und zu ein wenig klettern muss. Der Weg hinauf wäre eigentlich auch eine schöne kleine Herausforderung, wäre da nicht die Gasmaske, die es zu einer großen macht. Alle paar Meter musste man stehen bleiben, weil es so schwer war mit dieser Maske zu Atmen und sich noch auf diesen Weg zu konzentrieren.

Also wir oben waren und die Sonne langsam aufging, konnte man den Krater erst einmal richtig sehen. Es war ein riesiger See in dem Vulkan, der eine unbeschreiblich schöne Türkise Farbe hatte. Die Landschaft und der Ausblick rund um den Vulkan waren wieder einmal unfassbar schön und beeindruckend.

 

Nach dem Abstieg mussten wir uns wieder komplett abduschen, da alles nach faulem Ei gestunken hat. Dann hieß es noch ein wenig schlafen (es war jetzt 7:00 Uhr morgens) bis wir auschecken mussten, um rechtzeitig zur Fähre nach Bali zu kommen.

Bali

Auf Java waren wir bisher nicht am Strand, sondern immer in verschiedenen Städten im Inland unterwegs. Wir freuten uns sehr auf Bali und seine Strände.

Anna und ich trauten uns nicht Roller auszuleihen und zu fahren, da wir aber immer noch mit den beiden Jungs aus Frankreich unterwegs waren, fuhren wir mit ihnen mit. So erreichten wir auf eine ganz aufregende Art die schönen Wasserfälle. Der Verkehr in Indonesien ist schon sehr speziell, erst recht wenn man auf einem Roller sitzt. Wir kamen aber heil an und waren wieder einmal fasziniert von der wunderschönen Natur. Wir liefen einige sehr steile Treppen hinab, durch einen Fluss und über rutschige Steine, bis wir an einem riesigen Wasserfall waren. Eigentlich waren es drei, die nebeneinander hinab stürzten. Ich habe es so sehr genossen, mitten in diesem Fluss auf einem Stein zu sitzen, umgeben von Wasserfällen und Palmen. In solchen Momenten schauten Anna und ich uns an und wir dachten: “Was ist das nur für ein Leben?“ , es war der Wahnsinn.

 

Am nächsten Tag fuhren wir in die nächste Stadt, nach Ubud. Es war ein sehr touristischer Ort auf der einen Seite und den schönen Reisterrassen auf der anderen. An diesem Tag wollten die Jungs wieder mit Rollern einen Ausflug machen. Ich habe zu Anna gesagt, sie kann gerne mit fahren, aber ich habe ein ganz ungutes Gefühl. Wir sind beide zurück geblieben und haben einen Shopping Tag eingelegt. Als wir abends in unser Hostel zurückkamen, stellte sich heraus, dass mein Gefühl leider stimmte. Einer der beiden Jungs verlor die Kontrolle über den Roller und hatte tiefe Schnittwunden an Knie und Ellenbogen. Er war danach gleich im Krankenhaus, weil es um die Ecke war, jedoch war die Versorgung seiner Wunden alles andere als gut. In Deutschland hätte man die Wunden sofort genäht, weil sie so tief waren. In Indonesien wird kurz desinfiziert und ein Verband angelegt.

Als hätte ich es gewusst, hatte ich ein kleines Notfallset dabei.

Ich nehme es nie mit, weil ich Angst habe das mir etwas passiert, sondern weil ich denke, ich treffen jemand, der es braucht.

Wir legten ihm also erstmal einen ordentlichen „deutschen“ Verband an. Er meinte, er fühlt sich von uns besser umsorgt, als im Krankenhaus. Mich wundert das nicht da in Anna und mir sofort der Mutterinstinkt ansprang, als wir seine Wunden gesehen haben.

 

Wir besuchten die am nächsten Tag noch den „Monkeypark“ , in dem man die Affen nicht berühren darf, aber sie dürfen uns anfassen! Man konnte kleine Bananen kaufen, die hält man dann mit ausgestrecktem Arm in die Luft und zack klettert ein Affe an einem hoch und schnappt sie sich. Dort kann man die witzigsten Szenarien beobachten, die mit Affen und Touristen zu tun haben.

Immer noch war aber unsere Sehnsucht nach Meer nicht gestillt, also reisten wir weiter. Erst waren wir an einigen sehr Touristischen Stränden und später an den etwas ruhigeren kleineren. Wir mieteten uns oft zwei liegen unter einem Sonnenschirm, gingen ins Meer und lagen stundenlang einfach nur faul herum, dann aßen wir zusammen in einem Strandrestaurant gegrilltes Gemüse mit Reis und genossen die Sonnenuntergänge.

Da war er wieder, der:“ Was ist das für ein Leben?“ – Moment.

 

Einen Tag sprangen Anna und ich durch die Wellen und tauchten unter sie durch, bis von einer Sekunde auf die andere die Wellen höher, schneller und durcheinander kamen. Ich habe Anna plötzlich nicht mehr gesehen, mich riss es mehrmals unter Wasser, völlig unkontrolliert. Ich war damit beschäftigt nicht in Panik zu verfallen und wieder an die Oberfläche zu kommen. Zwar kam ich immer wieder nach oben, bevor ich jedoch zum Luftholen kam und das verschluckte Wasser aushusten konnte, kam schon die nächste Welle. Ich bin noch nie in meinem Leben so schnell geschwommen, zumindest hab ich es versucht, denn ich kam nicht voran. Nach einer gefühlten Ewigkeit schaffte ich es wieder an den Strand, ich weiß nicht wie und ich war fix und fertig. Ich hab versucht Anna zu sehen, aber keine Spur von ihr, jetzt hatte ich noch mehr Angst. Ich wusste nicht, ob es ihr genauso ging und selbst wenn, ich konnte nichts tun. Ich hatte mir das Szenario noch nicht zu Ende vorstellen können, da kam sie hinter den riesigen Wellen zum Vorschein. Ich war unfassbar glücklich sie heil wieder zu sehen. Sie hatte nicht ganz so schlimm die Kontrolle verloren wie ich, war aber weiter draußen und musste länger kämpfen um an Land zu kommen.

Ich war so schockiert von der ganzen Sache ich zitterte am ganzen Körper, ich hatte sofort „Muskelkater“ von meinen verzweifelten Schwimmversuchen.

Den Rest des Tages hieß es erstmal ganz ruhig und entspannt.

 

Anna wollte noch einen Tauchkurs machen, also fuhren wir für unsere letzten Tage in einen kleinen Ort im Osten Bali´s. Der Ort besteht aus einer Straße und einem schwarzen Sand bzw. Steinstrand mit einer wunderschönen Unterwasserwelt. Während Anna ihre Tauchgänge hatte versuchte ich ein wenig zu schnorcheln. Die Betonung liegt auf versuchte, denn wie sich herausstellte, war ich nach meinem Wellenerlebnis etwas ängstlich geworden. Es bestand kein Grund für meine Sorgen,da hier so gut wie keine Wellen kamen,

trotzdem verfiel ich sofort wieder in Panik, wenn ein kleiner Schluck Salzwasser

in meinen Schnorchel kam.

Als Anna fertig war mit ihrem Kurs gingen wir zusammen zum Schnorcheln und ich trug zu Annas Belustigung (aber meiner Beruhigung) eine Schwimmweste. Jetzt wo ich mich entspannen konnte und mich in Sicherheit wog, konnte ich auch diesen wundervollen Ausblick unter der Wasseroberfläche genießen. Ich hatte sogar wieder so viel Vertrauen gefasst, dass ich danach auch ohne Schwimmhilfe entspannt schnorcheln konnte.

Mein Trauma überwunden verbrachten wir unseren letzten gemeinsamen Tag am Strand mit Schnorcheln und auf den Liegen. Mit unseren geliehenen Fahrrädern machten wir uns auf den Heimweg.

Am nächsten Morgen holte uns ein Bus ab, in dem wir zunächst noch zusammen fuhren bis Anna ausstieg. Sie blieb in einer anderen Stadt um noch ein wenig Taucherfahrung zu sammeln, bis sie dann weiter Flog, in die große weite Welt. Ich dagegen blieb im Bus sitzen und fuhr noch weitere 2 Stunden nach Denpasar, wo sich der Flughafen befindet. Ich suchte mir ein kleines Hostel und verbrachte meinen letzten Tag alleine am Strand, um am nächsten Morgen nach Hause zu fliegen.

 

 

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Kommentare: 3
  • #1

    Rudi (Dienstag, 25 Oktober 2016 16:05)

    Nice :)

  • #2

    ANNAS TANTE (Dienstag, 25 Oktober 2016 19:19)

    Tolle Bilder von einer tollen Reise

  • #3

    David (Dienstag, 15 November 2016 02:24)

    Toll :)